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Die Kindheit des Ratibor

Die Kindheit des Ratibor

Beitragvon Dzhiwa » So Mai 12, 2013 3:24 pm

Der kurze Zeichentrick nach einem Teil des Romanepos von Walentin Iwanow „Das Uranfängliche Rus“ (original russisch „Русь Изначальная“)
zeigt uns ein Stück von der Welt und dem Leben unserer Ahnen.
Der Roman schildert das Leben einiger slawischen Stämme des 5. Jahrhunderts nach moderner Zeitrechnung.
Es ist ein kurzer und dennoch sinnvoller Blick in dieses Zeitalter. Jede Kleinigkeit zeigt uns immer mehr, wie unsere Ahnen ihr Leben gemeistert hatten, wie ihr Alltag, ihre Gefühle und Gedanken beschaffen war. Vor allem auch viele sinnbildliche Formen, die uns den tieferen Sinn eröffnen.
Bereits am Anfang sehen wir einen wichtigen Hinweis: Griechen, insbesondere griechische Bysanz, und andere Fölker der damaligen Zeit, die es auf Rossen abgesehen hatten, wussten wohl, wer Russen (Stämme der Rossen oder Ryssitschen lebten in den westlichen Teilen vom heutigen Russland) waren. Zacharias Rhetor (auch Zacharias von Mytilene) schrieb in seinen Schriften (darunter „Kirchengeschichte“, geschätzt in Jahren 451-491 verfasst): „Seit langem schon nennen wir, Griechen, diese Recken Rossitschen oder Russen. Rossische Männer sind mutige Krieger. Bei Raubüberfällen kann man nur wenige von diesen Slawen in die Sklaverei nehmen. Denn der Gefangenschaft bevorzugen sie alle den Tod.“.
Diese Lebenseinstellung stimmt vollkommen mit den Ansagen von Gott Perun („Santias Weden von Perun“) „Nur in der Umgebung seht ihr den Tod,
für euch selbst aber werdet ihr ihn nicht finden …“ Santia 1, 7 (7).
Der freie Wille und das freie Leben hatten bei unseren Ahnen einen sehr hohen Stellenwert.
Und diese Lebenseinstellung wurde immer weiter an die Nachkommen gegeben.
Im weiteren werden uns auch wichtige Hinweise gegeben:
Der Fater erzieht die Söhne, er zeigt ihnen die Schönheit und Tiefe dieser Welt,
bereitet sie für den Schutz der Stämme des Landes vor Raubüberfällen.
Wichtig ist auch, dass der Fater keinen Fehlschuss (keinen Fehler) bei sich lassen kann (weder in Gedanken noch in der Tat). Er lebt und handelt so, dass er alles richtig tut. Eine besondere innere Einstellung, vollkommenes Gleichgewicht, bei dem alles seine Zeit und seine Maße hat.
Eine besondere Rolle nimm Frau ein. Frau ist die Hüterin des Heimfeuers, die Heilerin, die Ganzheit wieder herstellt. Sie hat eine tiefe Bindung an die weiblichen Ahnen und alle Naturkräfte und nutzt diese immer. Ihre Haare sind verborgen, denn ihre Bindung an die Urkraft bleibt auch verborgen (Haare als Kanäle-Leitungen für die Höhere Kraft). Nur daheim dürfen Frauen ihre Haare ohne Bedeckung halten, manche Frauen halten ihre Haare lose – bei besonderen Tätigkeiten oder Ritualen (Trauer und andere). Im Bild beim Reiten ist kurz dargestellt, dass sie zwei Zöpfe hat. Eine junge ledige Frau trägt immer nur einen Zopf. Eine verheiratete Frau flechtet ihr Haar in zwei Zöpfe – zwei Kanäle-Verbindungen an die Urkraft, denn sie braucht nun die Kraft für sich und für das Kind, was nun gebären wird oder bereits geboren hat.
Bei dem Heilungsritual hat die Frau ihre Haare offen und lose – damit möglichst viel Kraft durch diese fliesst. Denn in diesem Augenblick braucht sie viel Kraft, damit die finsteren Wesen der dunklen Naw' vertrieben werden. Im Bild ist es gut dargestellt, wie die finsteren Wesen an die Seele des Kindes heran wollen. Möglicherweise hat das Kind wenig Schutz, denn später ist es dennoch seine Zeit, dass er in die Welt der Ahnen geht (stirbt). Der Schutz unserer Eltern, Großeltern und allen weiteren Ahnen ist stets bei uns. Der Fater von Ratibor erzählt seinem Sohn, dass der Großfater von diesem Jungen Mstislawuschka (Koseform von dem Namen Mstislaw - Der Ruhm mauernde) im letzten Sommer bei einer Schlacht gefallen war, nachdem er fünf Steppenreiter-Angreifer erlegt hatte. Im Herbst darauf wurde der Junge krank. Die Bindung auf der körperlichen Ebene wurde erst unterbrochen durch den plötzlichen Tod des Großfaters. Der Junge hat eine schwache Stelle dadurch erhalten. Die Mutter von Ratibor, die mit ihm verwandt ist (die beiden Siedeleien liegen recht nah beieinander, es sind zwei verwandte Stämme) treibt die dunklen Wesen fort. Sie bittet
alle weiblichen Ahnen Radunitzen (Ra-Du-Ni-Tza - Das Licht der Himmlischen Urquelle gebende, einer der Bedeutungen) und Rozhanitzen (von der Göttin Rozhana, die allen Schwangeren, Gebärenden und Stillenden Frauen hilft), dass sie darauf achten, dass alles so genau, wie sie es sagt, auch in Erfüllung geht, in der Wirklichkeit eintritt. Das Wort ist fest, die Frau hat noch die Fähigkeit, bei der das gesagte Wort eine materielle Kraft hat, sich materialisiert („Wedaju“ sagt sie auf russisch). Sie bildet mit ihrem Wort eine feste Realität, stellt es in die Wirklichkeit hinein. Sie ist gütig und weise, rein und in ihrer Mitte.
Ein weiterer Bereich stellen unsere Ahnen oder Stammesälteste dar. Der Stammesälteste ist der älteste lebendige Stammesmann, der noch die Urweisheiten hütet und an die Nachkommen weiter gibt. „Es ist gut, dass sich der kleine Ratibor in den Finge schneidet, denn so lernt er den Schmerz kennen und weiß nun, wie es sich anfühlt, wenn er es jemanden andern antut.“ Solch eine Sinneslehre bleibt tief in Erinnerung sitzen. Das alles weiß der Sammesälteste Belaj (Belaj – der Weiße). Die Stammesältesten tragen meist weiße Kleidung, denn sie haben ihr Leben gelebt, Erfahrung gesammelt, reif und weise geworden. Weiße Haare – erlangte Weisheit, weiße Kleidung – erhaltene Reinheit. Der Stammesälteste weiß auch, dass es lebenswichtig ist, dass das Feld bestellt und mit Korn besät ist, gleich, ob Angreifer kommen. Denn „man soll an das Gute glauben und das Leben erwarten“. So rein muss man sein, dass man immer an das Gute glaubt. Dieser Glaube gibt den Sinn dem weiteren Leben, auch wenn die Realität anders wird und der Feind dennoch kommt. Für den Stammesältesten ist das Säen immer eine Heilige Tätigkeit. Auch wenn er dabei sterben kann, wenn seine Zeit gekommen ist. Solch ein Übergang in die Welt der Ahnen ist ehrenvoll. Das Korn ist gesät, die Ernte für die Kinder gesichert. Hier ist es sowohl das Korn als Lebens-Mittel als auch das Korn der Weisheit symbolisch dargestellt.
Das Korn der Weisheit wird in die Nachkommen (Ratibor) gesät, damit es bei ihnen aufgeht und gedeiht und Früchte bringt. So sieht man oft die Stammesältesten mit kleineren Kindern beisammen, wo die Weisheiten von dem Ältesten an die Jüngsten weiter gegeben werden – die tiefe innere Verbindung aller Geschlechterfolgen.
Die Beziehungen und Sitten zwischen den Stammessmenschen sind voller Liebe und Ehre. Die Jüngeren verneigen sich tief vor den Älteren, so war es immer, so erweisen wir die Ehre den Älteren und den Ältesten. Die Älteren verneigen nur leicht den Kopf als Dank für die Ehre der Jüngeren und als Zeichen der Achtung der Nachkommen. Erst wenn der Stammesälteste aufsteht, stehen auch alle anderen auf. Der Stammesälteste als Stammesoberhaupt schneidet das Brot und gibt das Stück Brot ins Feuer – eine Gabe an Götter und Ahnen, als Dank und Ehre. Schutzschild ist gleich eine Tafel.
Wolchwen sind ebenso von der großen Bedeutung. Sie sind diejenigen, die mit Göttern reden, während andere Stammesmenschen für das Wohl aller werken und schöpfen. Sie reden mit Göttern und hüten die Weisheiten, führen Rituale durch. So der Abschiedsbrauch Kroda, bei dem die Körper der Verstorbenen verbrannt werden, damit die Seelen mit dem Rauch des Feuers in die Welt der Slaw' emporsteigen, wo unsere Ahnen weilen. Wolchwen stellen auch feste Worte in die Wirklichkeit hinein, so dass diese als Realität erblühen. Eine besonders wichtige Sache ist, dass bei den Gebeten und Beschwörungen Rossen ihre Götter als Großeltern und Eltern (Urgroßmütterchen Radunitzen, Gott Hors, Gott Swarog, Gott Dazhd'bog) anreden – hier wird die direkte Blutsverwandtschaft mit den Göttern betont. Wir alle stammen von Göttern. Die Ahnentafel lässt sich bis an die Urquelle des Lebens, ROD, aufstellen.
Der Schlusssatz des Wolchwen ist von einer großen Bedeutung: „Die Herzlichkeit unserer Bindungen auf der Erde lässt das Verlangen aufkommen, dass wir das Leben auch nach dem Tod fort setzen! Wir sehen uns wieder! Wir sehen uns wieder!“
Unsere Ahnen wussten bereits, dass nach dem Tod der körperlichen Hülle der eigentliche Mensch seinen Weg fortsetzt, in anderen Welten und Bereichen des Weltenalls und dass jeder dahin kommt und ein Wiedersehen statt findet.

Solch tiefgründige Lebens-Weise zeugt von einer hohen Ebene der Entwicklung unserer Ahnen.
Es ist noch ein kleiner wichtiger Baustein im Gesamtbild der Geschichte unserer Ahnen.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit und viel Freude beim Schauen!

[url]
http://youtu.be/VgAeOfJnEHI[/url]
Dzhiwa
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